Ein frischer Mund, gepflegte Zähne und gesundes Zahnfleisch gehören im Ayurveda ganz selbstverständlich zur morgendlichen Selbstfürsorge. Denn Ayurveda beginnt nicht erst bei Ernährung, Yoga oder Meditation. Auch die tägliche Mundpflege ist Teil der Dinacharya, der ayurvedischen Tagesroutine.
Zunge reinigen, Ölziehen, Zähne putzen und anschließend ein Glas Wasser aus dem Kupferbecher trinken: Aus wenigen einfachen Schritten entsteht ein wohltuendes Morgenritual, das sich wunderbar in unseren modernen Alltag integrieren lässt.
Was bedeutet Dinacharya?
Dinacharya bezeichnet im Ayurveda eine regelmäßige Tagesroutine. Der Begriff setzt sich aus den Sanskrit-Wörtern für „Tag“ und „Verhalten“ beziehungsweise „Lebensführung“ zusammen.
Dahinter steht die Idee, bestimmte pflegende und gesundheitsbewusste Handlungen jeden Tag möglichst regelmäßig auszuführen und dadurch Körper und Geist einen verlässlichen Rhythmus zu geben.
Viele dieser traditionellen Empfehlungen beziehen sich auf den Morgen. Dazu gehören beispielsweise die Reinigung von Mund und Zunge, die Körperpflege, Bewegung, Yoga oder Meditation.
Du musst dafür nicht deinen gesamten Tagesablauf verändern. Gerade kleine Rituale lassen sich leicht in den Alltag integrieren – und können mit der Zeit zu Gewohnheiten werden, über die du morgens gar nicht mehr nachdenken musst.
1. Zunge reinigen
Nach dem Aufstehen beginnt die ayurvedische Mundpflege mit der Reinigung der Zunge.
Während der Nacht bildet sich häufig ein sichtbarer Belag auf der Zunge. Mit einem Zungenschaber lässt er sich morgens schnell und gründlich entfernen.
Setze den Zungenschaber möglichst weit hinten auf der Zunge an und ziehe ihn mit leichtem Druck nach vorne. Wiederhole dies einige Male und spüle den Schaber zwischendurch unter fließendem Wasser ab.
Zu viel Druck ist nicht notwendig. Die Zungenreinigung soll sich angenehm anfühlen und lässt sich innerhalb weniger Augenblicke erledigen.
2. Ölziehen mit einem ayurvedischen Mundöl
Nach der Zungenreinigung folgt das Ölziehen, eine traditionelle Form der ayurvedischen Mundpflege. Im Ayurveda ist dafür unter anderem der Begriff Gandusha bekannt: Dabei wird Öl in den Mund genommen und für einige Zeit im Mund gehalten. Beim heute verbreiteten Ölziehen wird es zusätzlich durch den Mundraum und zwischen den Zähnen bewegt.
Traditionell spielt Sesamöl dabei eine wichtige Rolle. Eine besondere ayurvedische Kräuterrezeptur für die Mundpflege ist Arimedadi Thailam. Dieses Öl basiert auf Sesamöl und enthält eine Vielzahl traditionell verwendeter Kräuter und Gewürze wie beispielsweise Kurkuma, Süßholz, Amla, Vetiver, Zimt, Kardamom und Nelke.
Nimm die laut Hersteller empfohlene Menge des Mundöls in den Mund und bewege es langsam durch den Mundraum und zwischen den Zähnen. Gerade am Anfang reichen wenige Minuten völlig aus. Beachte dabei die Anwendungshinweise des jeweiligen Mundöls.
Spucke das Öl anschließend in ein Tuch oder etwas Küchenrolle und entsorge es im normalen Hausmüll. So gelangt das gebrauchte Öl nicht in den Abfluss.
Danach kannst du den Mund mit warmem Wasser ausspülen – und mit dem Zähneputzen weitermachen.
3. Zähneputzen mit ayurvedischer Zahnpasta
Nach dem Ölziehen folgt das Zähneputzen.
Eine ayurvedische Zahnpasta ergänzt die Morgenroutine besonders schön. Traditionelle Rezepturen greifen häufig Pflanzen, Kräuter und Gewürze auf, die im Ayurveda seit Langem für die Mundpflege verwendet werden.
Putze deine Zähne gründlich wie gewohnt. Damit verbindet sich die tägliche moderne Zahnpflege mit Elementen der traditionellen ayurvedischen Dinacharya.
4. Wasser aus dem Kupferbecher trinken
Jetzt ist die Mundpflege abgeschlossen – und dein Wasser wartet bereits auf dich.
Wenn du das Trinken aus einem Kupfergefäß in deine Morgenroutine integrieren möchtest, kannst du bereits am Vorabend stilles Wasser in deinen Kupferbecher füllen und es über Nacht darin stehen lassen.
So brauchst du morgens nichts vorzubereiten: Der gefüllte Kupferbecher steht schon bereit und wird zum letzten Schritt deines kleinen ayurvedischen Morgenrituals.
Deine ayurvedische Mundpflege am Morgen
Die Reihenfolge ist ganz einfach:
Zunge reinigen → Ölziehen → Zähne putzen → Wasser aus dem Kupferbecher trinken
Vier Schritte, die sich nach kurzer Zeit ganz selbstverständlich miteinander verbinden lassen.
Und genau darin liegt eine schöne Idee der ayurvedischen Dinacharya: Es geht nicht darum, den Morgen mit immer neuen Aufgaben zu füllen. Es geht darum, wenige wohltuende Gewohnheiten regelmäßig zu praktizieren.
Kennst du schon die 66-Tage-Regel?
Wenn du eine neue Morgenroutine beginnen möchtest, hilft ein wenig Geduld.
Vielleicht hast du schon von der 66-Tage-Regel gehört. Sie geht auf eine Studie zur Gewohnheitsbildung zurück, bei der es im Durchschnitt etwa 66 Tage dauerte, bis eine regelmäßig wiederholte Handlung zunehmend automatisch wurde.
Die 66 Tage sind dabei kein magischer Stichtag – manche Gewohnheiten etablieren sich schneller, andere brauchen deutlich länger. Die schöne Botschaft dahinter ist vielmehr: Wiederholung macht aus einer bewussten Entscheidung mit der Zeit eine Gewohnheit.
Probiere deshalb einmal aus, deine ayurvedische Morgenroutine für 66 Tage konsequent beizubehalten.
Nach einigen Wochen musst du vielleicht gar nicht mehr überlegen, was als Nächstes kommt. Die einzelnen Schritte gehören einfach zu deinem Morgen.
Ayurveda muss nicht kompliziert sein
Ein Zungenschaber, ein gutes ayurvedisches Mundziehöl, eine ayurvedische Zahnpasta und ein Kupferbecher – mehr brauchst du für diese kleine Morgenroutine zunächst nicht.
Aus einzelnen Produkten werden Rituale. Und aus wiederkehrenden Ritualen können Gewohnheiten entstehen.
Vielleicht folgen danach ein paar Minuten Meditation, Pranayama oder Yoga. Vielleicht beginnt einfach dein ganz normaler Alltag.
Aber die ersten Minuten des Tages hast du bereits bewusst für dich und deine Pflege genutzt.



